Lübeck, die alte Hansestadt an der Trave, ist viel mehr als ein Freilichtmuseum backsteinerner Schönheit https://kulturtreibhaus.org/. Die sieben Kirchtürme der Altstadtinsel erzählen von einer tiefgreifenden religiösen Prägung, die noch heute die kulturelle Szene der Stadt durchzieht. Wer durch die verwinkelten Gassen geht, spürt sofort, wie intensiv Glaube, Kunst und Gemeinschaft hier ineinandergreifen. Das Zukunftforum Kultur für Lübeck thematisiert genau dieses Zusammenspiel und eröffnet Räume, in denen religiöse Traditionen und moderne kulturelle Ausdrucksformen zusammenfinden. Dieser Artikel bietet die Gelegenheit, die geistlichen und kulturellen Schätze der Stadt aus einer neuen Perspektive zu entdecken. Er bietet einen fundierten Leitfaden für alle, die begreifen möchten, wie aus alten Ritualen lebendige Gemeinschaft erwächst. Ob Sie als Besucher die Stille der Backsteinkirchen suchen oder als Einheimischer aktiv an interkulturellen Projekten partizipieren möchten – hier erhalten Sie konkrete Einblicke, praktische Hinweise und inspirierende Geschichten, die belegen, weshalb Lübeck ein einzigartiges Labor für religiös grundierte Kulturarbeit ist.
Die religiöse und kulturelle Vielfalt Lübecks
Die Altstadtinsel ist seit 1987 UNESCO-Welterbe, doch ihr geistiges Fundament reicht viel weiter zurück. Bereits Mittelalter gestalteten Bischofssitz, Klöster und die mächtige Kaufmannschaft eine Stadt, in der Frömmigkeit und Weltoffenheit keine Gegensätze waren. Heute spiegelt sich diese Geschichte in einer bemerkenswerten konfessionellen Vielfalt wider: evangelische Hauptkirchen, eine katholische Propstei, eine russisch-orthodoxe Gemeinde und eine aktive jüdische Gemeinschaft leben Seite an Seite. Hinzu kommen muslimische Gebetsräume und kleinere spirituelle Gruppen, die das Bild einer lebendigen religiösen Landschaft ergänzen. Diese Pluralität ist kein Zufall, sondern Spiegelbild einer Hafenstadt, die über Jahrhunderte hinweg Menschen aus dem gesamten Ostseeraum anlockte. Das Zukunftforum Kultur sieht diese Vielfalt als Ressource und nicht als Trennlinie. Es startet Begegnungen, bei denen die unterschiedlichen Traditionen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern aktiv voneinander lernen. So wird die Stadt selbst zu einem lebendigen Lehrbuch, in dem religiöse Motive in der Architektur, der Musik und den jahreszeitlichen Festen bis heute nachwirken.
Wer die kulturelle Topografie Lübecks verstehen will, muss die religiösen Orte nicht als museale Inseln, sondern als aktive Knotenpunkte des städtischen Lebens auffassen. Die Marienkirche etwa ist nicht nur ein Meisterwerk der Backsteingotik, sondern auch eine Konzertbühne von Weltrang und ein Ort der Stille mitten im touristischen Trubel. Ähnliches gilt für den Dom, der mit seinen Kunstschätzen und dem angrenzenden Museumskomplex eine Brücke zwischen Glauben, Geschichte und zeitgenössischer Kunst schlägt. Diese Doppelfunktion erstreckt sich durch nahezu alle Sakralbauten der Stadt. Sie sind geistliche Heimat für die Kerngemeinden und zugleich öffentliche Räume, in denen Ausstellungen, Lesungen und Diskussionen veranstaltet werden. Das Zukunftforum Kultur unterstützt diese Öffnung gezielt, indem es Formate konzipiert, die spirituelle Inhalte mit kultureller Bildung zusammenführen. So entstehen Angebote, die sowohl kirchenferne Menschen erreichen als auch Gläubigen neue Zugänge zu ihrem eigenen Erbe eröffnen.
Geschichtsträchtige Kirchen als lebendige Kulturorte
Die fünf großen Altstadtkirchen – St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, der Dom und St. Aegidien – stellen das steinerne Rückgrat der Stadt. Doch ihre Relevanz erschöpft sich nicht in der imposanten Bausubstanz. Jede einzelne dieser Kirchen hat in den vergangenen Jahrzehnten ein eigenes kulturelles Profil entwickelt, das deutlich über den wöchentlichen Gottesdienst hinausragt. St. Marien, die Kirche der Bürger und Ratsherren, beinhaltet die weltbekannte Totentanzorgel und veranstaltet regelmäßig Orgelkonzerte, die Musikliebhaber aus weiten Teilen Europa anlocken. St. Petri dagegen hat sich zu einem Mittelpunkt für aktuelle Kunst und Wissenschaft gewandelt; die Aussichtsplattform auf dem Turm gewährt nicht nur einen herrlichen Blick, sondern auch wechselnde Ausstellungen, die gemeinschaftliche Fragen aus ästhetischer Perspektive darstellen. Diese Profilierung ist keineswegs willkürlich, sondern das Ergebnis einer bewussten kulturpolitischen Strategie, die das Zukunftforum Kultur über Jahre verfolgt und aufzeichnet.
Ein sehr bemerkenswertes Beispiel für die Transformation vom ursprünglichen Gotteshaus zum lebhaften Kulturzentrum ist die Jakobikirche. Als historische Schifferkirche bewahrt sie mit der Gedächtniskapelle für die auf See Gebliebenen ein einzigartiges maritimes Erbe. Zugleich hat sie sich als Konzertkirche einen Ruf erworben, in der ebenso alte Musik auf historischen Instrumenten wie auch experimentelle Klanginstallationen zu hören sind. Die restaurierte Führer-Orgel und die beiden kleineren Instrumente erlauben ein Klangspektrum, das von barocker Pracht bis zu avantgardistischen Kompositionen spannt. Diese Symbiose aus liturgischer Nutzung und öffentlichem Kulturprogramm ist typisch für den Lübecker Weg. Sie demonstriert, dass Kirchen keine geschlossenen Gesellschaften sind, sondern willkommene Stätten, die auf der Höhe der Zeit wirken. Wer sich darauf einläßt, findet Räume, in denen Stille und Klang, Gebet und Performance, Tradition und Innovation gewinnbringend aufeinandertreffen.
Die Rolle der Kirchenmusik im Leben der Stadt
Die Lübecker Kirchenmusiktradition geht bis zu den großen Kantoren der Hansezeit zurück, allen voran Dietrich Buxtehude, der im 17. Jahrhundert an St. Marien tätig war und die berühmten Abendmusiken schuf. Diese Konzertreihe war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges, das Kaufleute, Handwerker und Reisende gleichermaßen faszinierte. Heute knüpfen die Kantorate aller Hauptkirchen bewusst an dieses Erbe an, ohne in der Vergangenheit zu stehen. Regelmäßige Orgelvespern, Kantatengottesdienste und die sommerliche Reihe „Orgelpunkt“ machen geistliche Musik zu einem festen Bestandteil des kulturellen Kalenders. Besonders bemerkenswert ist die Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker: Der Lübecker Knabenkantorei und der Mädchenkantorei fällt es, Kinder und Jugendliche nicht nur stimmlich zu fördern, sondern ihnen auch einen tiefen Zugang zur spirituellen Dimension der Musik zu schaffen. So bleibt die Kirchenmusik ein lebendiger Dialog zwischen den Generationen und ein wichtiger Impulsgeber für die gesamte städtische Kulturszene.
UNESCO-Welterbestätte und sakrale Baukunst
Die Aufnahme der Lübecker Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1987 honorierte nicht bloß die herausragende Profanarchitektur, sondern maßgeblich auch die sakralen Gebäude als Herzstück des mittelalterlichen Stadtgefüges. Die sieben Türme von St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, dem Dom und St. Aegidien sind das weithin erkennbare Markenzeichen der Stadt und gleichzeitig ein steinernes Bekenntnis von europäischem Format. Die Backsteingotik, die hier ihre Vollendung fand, prägte Standards für den Kirchenbau im weiten Ostseeraum und beeinflusste Städte von Wismar bis Tallinn. Wer die Kirchen aufmerksam betrachtet, entdeckt eine Menge von Details, die von der Frömmigkeit, aber auch vom Selbstbewusstsein der hansischen Kaufleute erzählen: filigrane Sterngewölbe, reich verzierte Portale und die für Lübeck typischen, schlanken Strebepfeiler, die den Baukörper rhythmisieren. Der Welterbestatus fordert die Stadt, diese Bauten nicht nur zu erhalten, sondern sie auch der Öffentlichkeit auf eine Art zugänglich zu machen, die ihre Bedeutung vermittelt.
Die Aufgabe besteht darin, den Denkmalschutz mit den Bedürfnissen einer aktiven Nutzung in Einklang zu bringen. Eine Kirche, die nur noch Museum ist, büßt ein ihre Seele; eine Kirche, die nur auf die gottesdienstliche Nutzung vertraut, schöpft ihre Möglichkeiten als öffentlicher Raum nicht aus. Das Zukunftforum Kultur begleitet diesen Balanceakt mit besonderer Aufmerksamkeit und bringt Denkmalpfleger, Theologen, Künstler und Stadtplaner an einen Tisch. Ein gelungenes Beispiel ist die jüngste Sanierung des Domkreuzgangs, bei der ein moderner Anbau für museumspädagogische Arbeit entstand, ohne das historische Ensemble zu stören. Solche Projekte zeigen, dass Welterbe kein statischer Zustand ist, sondern ein dynamischer Prozess, der wiederholt neu ausgehandelt werden muss. Sie machen sichtbar, dass die sakrale Baukunst Lübecks nicht allein der Vergangenheit entstammt, sondern eine lebendige Quelle für die Stadtgesellschaft von morgen darstellt.
Rundgänge und Wege der Spiritualität: Ein Wegweiser für Abenteurer
Lübeck lässt sich auf vielfältige Art spirituell entdecken, und das Angebot an fachkundigen Führungen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wer die Stadt nicht bloß als Bühne, sondern als Ort spirituellen Erlebens erleben möchte, findet zahlreiche thematische Rundgänge, die deutlich über die üblichen touristischen Pfade hinausgehen. Das Zukunftforum Kultur legt nahe insbesondere die „Wege der Stille“, eine Partnerschaft mehrerer Kirchengemeinden, die Besucherinnen und Besucher zu Plätzen der inneren Ruhe führt. Dabei geht es nicht über kunsthistorische Daten, sondern um die eigene Wahrnehmung: Wie verändert sich der Ton der Schritte auf mittelalterlichen Backsteinen? Welche Gedanken erzeugt das Licht, das durch die farbigen Scheiben fällt? Solche sensorischen Erlebnisse werden durch kurze Impulstexte und Meditationsmusik bereichert, bleiben aber immer frei von dogmatischer Unterweisung. Das Format spricht ausdrücklich auch an Menschen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, aber eine Verlangen nach Besinnung und Nachdenken empfinden.
An kulturhistorisch Begeisterte bieten sich die klassischen Kirchenführungen bereit, die von den zuständigen Gemeinden und der Lübecker Stadtführer-Gilde veranstaltet werden. Hier stehen Architektur, Kunstschätze und die bewegte Geschichte der Gotteshäuser im Mittelpunkt. Besonders ratsam ist die Kombination aus Domführung und Besuch des Dommuseums, wo liturgische Geräte, Paramente und die berühmte Triumphkreuzgruppe im Original sichtbar sind. Einen ganz anderen Zugang bieten die neu konzipierten „Pilgerwege im Stadtraum“. Auf markierten Routen, die an den mittelalterlichen Jakobsweg anknüpfen, vermögen Einzelgänger und kleine Gruppen die Stadt zu Fuß durchmessen. Unterwegs bitten Stationen mit Zitaten von Mystikerinnen und Mystikern zum Innehalten ein. Diese Wege verbinden die physische Bewegung mit einer inneren Reise und lassen den spirituellen Reichtum der Stadt auf eine sehr unmittelbare, körperliche Weise erlebbar.
Anwendbare Tipps für Ihre eigene Erkundung
Wer auf eigene Faust losziehen möchte, sollte einige praktische Hinweise beachten, um die spirituellen und kulturellen Schätze Lübecks optimal zu erleben. Die meisten Kirchen sind tagsüber geöffnet, doch die genauen Besichtigungszeiten variieren je nach Gemeinde und Jahreszeit. Es empfiehlt sich, vorab einen Blick auf die Websites der Kirchengemeinden oder die zentrale Plattform des Kirchenkreises zu werfen. Dort finden sich auch Hinweise auf Sonderführungen, etwa die beliebten Nachtführungen in St. Marien oder die Turmbesteigungen von St. Petri, die bei klarem Wetter einen unvergesslichen Panoramablick bieten. Für den Besuch von Konzerten und Veranstaltungen ist eine frühzeitige Reservierung ratsam, da die Plätze in den historischen Kirchen oft begrenzt sind. Wer die Stille sucht, sollte die frühen Morgenstunden oder die späten Nachmittagsstunden unter der Woche wählen, wenn die großen Besucherströme abgeebbt sind. Ein kleiner Reiseführer mit spirituellen Impulsen ist in der Tourist-Information und im Domladen erhältlich und bietet auch für erfahrene Lübeck-Kenner überraschende Perspektiven.
Musikalische Veranstaltungen in kirchlichen Räumen
Die Sakralbauten Lübecks sind schon lange zu vielleicht den ungewöhnlichsten und ebenso stimmungsvollsten Aufführungsorten der Stadt entwickelt. Das Spektrum der Veranstaltungen reicht von herausragenden klassischen Konzerten bis hin zu Theateraufführungen und Lesungen und Podiumsdiskussionen. Die Marienkirche etwa wird während des Schleswig-Holstein Musik Festivals in einen Konzertsaal von internationaler Bedeutung, in dem Orchester und Ensembles aus aller Welt gastieren. Die einzigartige Akustik der gotischen Hallenkirchen verleiht jedem Ton eine beinahe überirdische Präsenz und verwandelt selbst vertraute Werke in ein neues Klangerlebnis. Doch nicht nur das Hochkulturelle findet hier ihren Platz: Regelmäßig gastieren auch Chöre aus der Region, Schulorchester und freie Theatergruppen auf die Kirchen mit frischen Formaten beleben. Diese Verbindung aus Weltklasse und lokaler Verwurzelung bildet ein Markenzeichen der Lübecker Kulturszene und findet vom Zukunftforum Kultur explizit unterstützt.
Ein besonders faszinierendes Feld ist die moderne Kunst im Kirchenraum. Immer wieder fordern Gemeinden Künstlerinnen und Künstler ein, Installationen zu gestalten, die sich mit dem Ort und seiner spirituellen Aura auseinandersetzen. So wurden geschaffen in der Petrikirche bereits begehbare Lichtskulpturen, die den gesamten Kirchenraum in ein Farbenmeer tauchten, oder Videoarbeiten, die biblische Motive in die Bildsprache des 21. Jahrhunderts übertrugen. Diese temporären Interventionen ziehen ein Publikum an, das sonst vielleicht nie eine Kirche betreten würde, und stimulieren zu intensiven Gesprächen über Glauben, Kunst und Gesellschaft an. Auch die jährliche Lübecker Museumsnacht bezieht die Kirchen mit ein und gestaltet so einen Parcours, der sakrale und profane Kulturorte miteinander verbindet. Das Zukunftforum Kultur beschreibt diese Projekte und stellt sie in einen größeren Diskurs über die Zukunft sakraler Räume in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft.
Aufführungen und Orgelmusik als Bindeglieder
Die Orgelmusik nimmt in Lübeck eine Sonderstellung ein, die weit über das rein Musikalische hinausreicht. Mit Instrumenten aus verschiedenen Epochen – von der barocken Totentanzorgel in St. Marien über die romantische Kemper-Orgel in St. Jakobi bis zur modernen Orgel im Dom – verfügt die Stadt über ein aktives Klangarchiv der Orgelbaugeschichte. Die regelmäßigen Orgelkonzerte und die sommerliche Reihe „Orgelpunkt“ bringen ein Publikum an, das die meditative Kraft dieser Klänge sucht, ohne zwingend einen Gottesdienst besuchen zu wollen. Viele Kantoren präsentieren zudem kurze Einführungen an, die die Funktionsweise der Instrumente veranschaulichen und die gespielten Werke in ihren geistlichen Kontext setzen. So gestalten sich die Konzerte zu Bildungsereignissen, die musikalisches Fachwissen und spirituelle Erfahrung auf organische Weise vereinen. Für Kinder und Familien gibt es spezielle „Orgelentdecker“-Programme, bei denen die jungen Zuhörer die Königin der Instrumente sogar selbst ausprobieren dürfen.
Freiwilligenarbeit und Engagement: In welcher Form Sie Bestandteil der Gemeinschaft werden
Die kirchliche und kulturelle Gemeinschaft Lübecks lebt vom Einsatz vieler Ehrenamtlicher, die ihre Freizeit und ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Ohne die unzähligen Ehrenamtlichen wären viele der erwähnten Angebote schlichtweg nicht durchführbar. Die Kirchengemeinden, aber auch das Zukunftforum Kultur, bieten eine Vielzahl von Gelegenheiten, sich tatkräftig zu einzubringen – und das unabhängig von der eigenen Konfession oder Weltanschauung. Wer gerne mit Menschen zusammenarbeitet, kann sich im Besuchsdienst einsetzen, betagte Gemeindemitglieder zu Events begleiten oder bei der Planung des Kirchencafés helfen. Technisch Begeisterte werden in den Teams gesucht, die sich um die aufwändige Licht- und Tontechnik bei Konzerten und Präsentationen sorgen. Und wer über manuelles Geschick verfügt, findet bei der Instandhaltung der geschichtlichen Bausubstanz oder der Gartenflächen rund um die Kirchen ein lohnendes Betätigungsfeld. Die Einsatzbereiche sind so unterschiedlich wie die Stadt selbst.
Ein besonders befriedigendes Engagementfeld ist die kunsthistorische Vermittlung. Viele Kirchengemeinden stellen ein Menschen, die Freude daran finden, Besucherinnen und Besuchern die Historie und die geistliche Bedeutung der Gotteshäuser nahezubringen. Eine gründliche Einarbeitung und regelmäßige Fortbildungen sind dabei selbstverständlich. Das Zukunftforum Kultur hat gemeinsam mit der Volkshochschule einen speziellen Qualifizierungskurs für „Kulturlotsen“ konzipiert, der kunstbezogenes Wissen mit kommunikativen Fähigkeiten und kulturübergreifender Kompetenz vereint. Absolventinnen und Absolventen dieses Kurses führen nicht nur Touristengruppen, sondern assistieren auch Schulklassen und organisieren Workshops, in denen die Mitwirkenden selbst kreativ werden. Wer sich für ein dieses Ehrenamt entscheidet, gewinnt nicht nur vertiefte Einblicke in die Lübecker Kulturgeschichte, sondern ist Teil einer motivierten Gemeinschaft, in der Kontakte über Generations- und Konfessionsgrenzen hinweg entstehen.
Interreligiöses Miteinander und Gemeinschaftsprojekte
In einer Gemeinde, deren Geschichte von Handel und Austausch geprägt ist, liegt der interreligiöse Dialog beinahe in der Luft. Das Zukunftforum Kultur hat in den zurückliegenden Jahren gezielte Formate entwickelt, die Zusammentreffen zwischen Christen, Juden, Muslimen und Menschen ohne religiöses Bekenntnis schaffen. Ein Leuchtturmprojekt ist die jährliche „Nacht der offenen Gotteshäuser“, bei der Synagoge, Moscheen und Kirchen parallel ihre Türen öffnen. Besucherinnen und Besucher können nicht bloß die Räume entdecken, sondern kommen bei Führungen, Teezeremonien und Podiumsgesprächen unbeschwert miteinander ins Gespräch. Diese Veranstaltung ist absichtlich niedrigschwellig angelegt und vermeidet auf lange Vorträge; stattdessen stehen persönliche Begegnung und das gemeinsame Erleben von Musik, Kalligrafie oder kulinarischen Spezialitäten im Vordergrund. Der Erfolg gibt dem Konzept recht: Jahr für Jahr steigen die Besucherzahlen, und aus einmaligen Kontakten entstehen dauerhafte Kooperationen.
Ein weiteres bedeutendes Feld ist die gemeinsame Sozialarbeit. Unter dem Dach der Lübecker Tafel oder der ökumenischen Bahnhofsmission engagieren sich Ehrenamtliche aller Konfessionen und auch konfessionslose Helfer Seite an Seite. Diese Praxis der gelebten Solidarität überwindet theologische Differenzen nicht durch Diskussion, sondern durch gemeinsames Handeln. Das Zukunftforum Kultur begleitet solche Initiativen dokumentarisch und stellt sie in den Kontext einer größeren Erzählung: der Stadt als solidarischer Gemeinschaft, in der religiöse Wurzeln zu einem Motor bürgerschaftlichen Engagements werden. Besonders spannend sind Projekte mit Jugendlichen, etwa das interreligiöse Friedenscamp, das in den Sommerferien stattfindet. Hier erarbeiten muslimische, christliche und jüdische Jugendliche gemeinsam eine Performance oder eine Ausstellung zu Themen wie Gerechtigkeit oder Heimat. Die entstehenden Werke werden anschließend in wechselnden Gemeindehäusern gezeigt und laden das Publikum ein, eigene Vorurteile zu hinterfragen.
Feste und Traditionen im Kirchenjahr
Das kulturell geprägte Jahr in Lübeck wird von einem Takt religiös verankerter Feste geprägt, die weit über die Kirchenmauern wirken. Der Advent und die Weihnachtszeit spielen dabei eine besondere Stellung ein. Der Lübecker Weihnachtsmarkt, der sich mit seinen traditionellen Buden zwischen Rathaus und Marienkirche erstreckt, ist einer der stimmungsvollsten in ganz Deutschland. Hier verbinden sich handwerkliche Tradition, kulinarische Köstlichkeiten und ein umfangreiches Bühnenprogramm mit der nahen Präsenz der Kirche, in der jeden Tag Adventsandachten und Krippenspiele abgehalten werden. Doch auch die minder spektakulären Feste des Kirchenjahres beeinflussen das städtische Leben: die ruhigen Prozessionen in der Karwoche, die festlichen Osternachtsfeiern mit Osterfeuer im Domhof oder die gemeinsamen Pfingstgottesdienste unter freiem Himmel auf dem Marktplatz. Diese Feiern sind keineswegs exklusiven Veranstaltungen für Kirchenmitglieder, sondern öffentliche Einladungen, die den Zyklus des Jahres für alle erfahrbar machen.
Neben den christlichen Festen gewinnen auch die Feiertage anderer Religionen zunehmend an Sichtbarkeit. Das jüdische Lichterfest Chanukka wird mit einer öffentlichen Menora-Zeremonie auf dem Koberg begangen, und zum muslimischen Fastenbrechen im Ramadan laden Moscheegemeinden regelmäßig Nachbarn und Interessierte zu einem gemeinsamen Iftar-Essen ein. Diese Öffnung ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Stadtgesellschaft, die religiöse Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv feiert. Das Zukunftforum Kultur unterstützt diese Entwicklung, indem es einen interkulturellen Festkalender herausgibt und Begegnungsformate organisiert, die das gegenseitige Verständnis vertiefen. Besonders beliebt sind die gemeinsamen Kochabende, bei denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer traditionelle Festgerichte aus ihren Herkunftskulturen zubereiten und dabei ins Gespräch kommen. So wird der Jahreskreis zu einem bunten Mosaik aus vertrauten und neuen Bräuchen, das die Gemeinschaft stärkt.
- Lübecks Weihnachtsmarkt (Ende November bis Silvester): Kunstgewerbe, Bühnenauftritte und tägliche Adventsmusik in St. Marien.
- Osterfeiern in der Osternacht: Ökumenische Gottesdienste im Dom und an der Trave, oft mit danach folgendem gemeinsamen Frühstück.
- Nacht der offenen Gotteshäuser (September): Synagogen, Moscheen und Gotteshäuser öffnen gleichzeitig ihre Türen für Zusammenkünfte.
- Öffentliche Chanukka-Feierlichkeiten (Dezember): Entzünden der Menora auf dem Koberg mit Klängen und jüdischen Spezialitäten.
- Interreligiöses Friedenscamp (Sommer): Jugendliche verschiedener Glaubensrichtungen unterschiedlicher Religionen entwickeln gemeinsam kreative Vorhaben.
- Pfingstgottesdienst auf dem Marktplatz: Gemeinsame Feier unter freiem Himmel, mit Musik umrahmt von den Chören der Stadt.
FAQ
Was für religiösen Stätten sind in der Hansestadt Lübeck besonders eindrucksvoll?
Allen voran die fünf gotischen Hauptkirchen: St. Marien mit ihrer Totentanzorgel, das Dom mit dem beeindruckenden Triumphkreuz, St. Petri mit Aussichtsplattform und Wechselausstellungen, St. Jakobi als die Seefahrerkirche und St. Aegidien als die Quartierkirche mit einer lebendigen Gemeindearbeit. Auch die katholische Propsteikirche Herz Jesu sowie die Synagoge in der St.-Annen-Straße sind baulich und spirituell eine Besichtigung wert. Die russisch-orthodoxe Gemeinde begeht ihre Gottesdienste in einem schlichten, aber eindrucksvollen Raum in der Altstadt.
Finden interreligiöse Events, bei denen Besucher teilnehmen können?
Ja, die alljährliche „Nacht der offenen Gotteshäuser“ im September ist ein Höhepunkt. Dabei öffnen Synagoge, Moscheen und Kirchen gleichzeitig ihre Türen und bieten Führungen, Musik sowie kulinarische Proben. Ebenso das interreligiöse Friedenscamp im Sommer begrüßt Gäste willkommen, die sich über die entstandenen Kunstprojekte informieren wollen. Zahlreiche Moscheegemeinden laden zum Fastenbrechen im Ramadan ein; die Termine werden über die lokale Presse sowie die Webseiten der Gemeinden bekannt gegeben.
Wie kann ich sich ehrenamtlich in der religiösen Kulturszene Lübecks engagieren?
Die Kirchengemeinden und das Zukunftforum Kultur stellen zahlreiche Möglichkeiten: vom Besuchsdienst über die Mithilfe bei Konzerten und Ausstellungen bis zur Ausbildung zum Kulturlotsen. Interessierte haben die Gelegenheit, sich direkt an die Pfarrbüros der Gemeinden zu wenden oder die Ehrenamtsbörse des Kirchenkreises zu nutzen. Der Qualifizierungskurs „Kulturlotsen“ der Volkshochschule übermittelt kunsthistorisches Wissen und kommunikative Kompetenzen für die Führung von Besuchergruppen.
Sind denn die Lübecker Kirchen auch außerhalb der Gottesdienste zugänglich?
Grundsätzlich ja. Die meisten Kirchen sind tagsüber für Besucher geöffnet, allerdings können die Zeiten je nach Gemeinde, Jahreszeit und anstehenden Veranstaltungen variieren. St. Marien und der Dom haben in der Regel die längsten Öffnungszeiten. Es empfiehlt sich, vor einem Besuch die aktuellen Hinweise auf den Websites der Gemeinden zu prüfen. Während der Gottesdienste und bei Sonderveranstaltungen können touristische Besichtigungen eingeschränkt sein.
Welchen Stellenwert spielt die Kirchenmusik im Kulturleben der Stadt?
Eine zentrale Rolle. Die Lübecker Kirchenmusiktradition geht bis zu Dietrich Buxtehude zurück und ist heute mit Orgelkonzerten, Kantatengottesdiensten und der Reihe „Orgelpunkt“ präsent wie nie. Die Knaben- und Mädchenkantorei formen junge Stimmen aus, und die historischen Orgeln locken internationale Künstler an. Die Kirchenmusik ist ein leichter Zugang zu spirituellen Räumen und erreicht ein Publikum weit über die Kerngemeinden hinaus.
Welche Aspekte macht das UNESCO-Welterbe in Lübeck aus glaubensbezogener Sicht hervorstechend?
Die Altstadt ist ein bedeutendes Beispiel für die Verbindung von bürgerlicher Macht und tiefer Frömmigkeit im Mittelalter. Die sieben Kirchtürme bestimmen die Silhouette und zeugen von einer Stadt, die ihren Reichtum bewusst in sakrale Baukunst investierte. Die Backsteingotik etablierte Maßstäbe im gesamten Ostseeraum. Heute gilt es, diese Bauten als lebendige Orte des Glaubens und der Kultur zu schützen – eine Aufgabe, der sich das Zukunftforum Kultur vorrangig widmet.
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